Leonardos Fahrrad? jörns notizen

19.
Oktober
2007

Ra(s)tlos.

Ich bin ein hoffnungsloser Idealist. Ein hoffnungsvoller Pessimist. Auch Zweckpessimist zuweilen; man gönnt sich gern mal eine angenehme Überraschung. Aber sehe ich auf das, was sich so heutzutage unter dem Sammelbegriff Politiker bewegt, wenn es sich immerhin bewegt, dann bin ich einfach nur noch ratlos. Und werde darob manchmal rastlos. Dann schreibe ich den einen oder andren Brief an einen oder mehrere Politiker und frage mich und frage sie darinnen, was sie wohl treibt, mit Lobby-Lemmingen die Klippen nicht zu ahnen und wider bessren, öffentlich verfügbaren Wissens sich für Unsinn stark zu machen. Die Antworten sind überraschend. Überraschend, weil es sie tatsächlich gibt, und sei es aus dem Vorzimmer des Vorzimmers des Vorzimmers. Überraschend, weils zuweilen blinder geht, als ichs mir alpträumen konnte. Überraschend, weil sich manchmal sogar etwas bewegt. Nicht, weil ich geschrieben habe. Jedoch vielleicht, weil nicht nur ich geschrieben habe.

Politiker sind auch nur Menschen. Trifft man Entscheidungen, dann stellt man Weichen, die über den erklärten Zweck hinaus den einen oder andren finanziellen Nutzen tragen. Wenn etwa eine grüne Chili-Schote, bald rot geworden, schließlich schon fast schwarz, den überteuerten Reisepass mit Schnüffelchip (Einstiegslektüre und Links siehe hier) befördert – um sich endlich, ohne wirklich rot zu werden, vom passenden Hersteller anheuern zu lassen, ist das dann konsequent? Oder dem geschenkten Gaul nicht in das Maul geschaut? Oder nicht vor allem ein ungeheurer Bärendienst an unsrer Demokratie? Den Herrn Schily hab ich nicht gefragt, dem geht es jetzt zu gut, als dass ich noch auf eine Antwort hoffte. Und leider ist er alles andre als ein Einzelfall.

Neuerdings versuche ich, das alles ganz Lessig zu sehen. Nach Lawrence Lessig, der nach Jahren Engagements für Creative Commons sich dieser Frage zugewandt hat: wie und wo und wann entsteht das, wozu die Politik verkommen ist, kann man es korrigieren? Lessig gehts um “Korruption”, und dass er dabei das Wort “Korruption” bewusst in Hochkommata setzt, macht ihn mir interessant; ihm geht es zunächst um die Analyse, es gibt also noch Menschen, die zu analysieren versuchen. Korruption hat viele Facetten, nicht zuletzt jene, von der der Volksmund spottet, das Gegenteil von gut sei gut gemeint.

19. Oktober 2007, 08:39