Leonardos Fahrrad? jörns notizen

25.
August
2008

Spätsommernächte

Das Rumoren da unten der Stadt glich dem fernen Stampfen eines Ozeanriesen, und der Wind spielte im dunklen Laub ein Lied vom Meer. Die satt und sonnenhart gewordnen Blätter in den Wipfeln aber befreite erst der Regen von des Tages Staub. Wie aus dem Nichts kamen die ersten Tropfen, und bald darauf verschlang des Wassers Prasseln jedes andere Geräusch. Spätsommernacht meiner Kindheit.

Spät wird es Nacht hier unten, inmitten der Stadt; durchbrochene Stille. Ein fernes Lachen. Ein Vogel, erschrocken vom Traum. Ein Auto, irgendwo kreischt eine Katze, und einer dieser furchtbaren Rolladen surrt in Schlafposition. Ein Schwung später Kneipengänger zieht disputierend vorbei, noch ein Auto, dann Ruhe. Schließlich schlurft wer nach Haus, mit Hund, der im beginnenden Regen sich das Nass aus den Haaren schüttelt, während der Schlurfende den Schlüssel sucht. Tausend Geräusche huschen durch die Nacht, die Stadt scheint im Schlaf zu ächzen und stöhnen, als träumte sie schlecht.

Und ich liege wach und suche nach Lethe, dem Strom des Vergessens, der mir im gleichförmigen Rauschen des Spätsommerregens der Kindheit erschien und das Flirren des Tages mir nahm wie dem Blattwerk den Staub.

25. August 2008, 08:33