Leonardos Fahrrad? jörns notizen

07.
Januar
2009

Schusters Leisten

Schuster, bleib bei deinem Leisten, so heißts noch heute bei den meisten, die des Versuches Fehlschlag kommentieren. Bleib schön beim Abbild jenes Fußes, für den der Schuh mal passen soll, bleib in der Spur, in den Geleisen alten Denkens. So kommt man, etwas leistend, zu Erfolg.

Ich liebe, wie verräterisch die Sprache ist; der Leisten ist im Ursprung Fußabdruck und Spur, verwandt mit den Geleisen, und etwas leisten heißt im alten Wortsinn nichts andres als befolgen. Folge leisten ist genau genommen tautologisch. Natürlich verlagern sich Bedeutungen, gottlob, die Sprache lebt. Doch lebt die Sprache nicht auch von der Feinheit der Begriffe? Und wäre es nicht nur vernünftig, statt allenthalben Leistung einzufordern, Können und, daraus erwachsend, Schaffen zu verlangen? Etwas zu leisten ist nicht ganz dasselbe, auch wenn es heutzutage meist in diesem Sinn verstanden wird.

Wer was leistet, hat, mit etwas Glück, Erfolg. Erfolg ist die Belohnung für das Bestreben, Erwartungen zu folgen, sie zu erfüllen, böse formuliert: sich ihnen anzudienen. Ist das denn wert, erlangt zu werden?

Ach, wünsch mir nicht Erfolg, wünsche mir Gelingen. Du weißt, ich bin empfindsam in solchen Sprachendingen.

7. Januar 2009, 07:49