Leonardos Fahrrad? jörns notizen

29.
November
2009

Das Grammophon im Schinken

Nach dem Mittag war die Luft raus, ich wohnte einer Schinkenpause bei. Soweit ich meine Augen offenhalten konnte: Sabrina, in Schwarz-Weiß, von Billy Wilder. In einer Szene schippern Audrey Hepburn und Humphrey Bogart in einem kleinen Kahn, und zwischen ihnen steht ein Grammphon. Kurz kurbeln, nächste Platte drauf, und wie stilvoll präsentierte sich die Klangkonserve!

Ja, der Plattenspieler hatte dann Verstärker, bald gab es Stereophonie – doch wie auf einem Boot und ohne Strom? Nächster Versuch, das Kofferradio, mit Bandsalat in der Kassette, Dank Batteriebetrieb mobil – aber ästhetisch kann doch so ein Ding dem Grammophon kein Wasser reichen. Da ist nur konsequent, es zu verkleinern, bis man es nicht mehr sehen muss. Und wenn die Ohrstöpselverkabelung mit Fitz nicht ohnehin zu erstem Näherkommen führt, so hat man wenigstens ein Thema, wenn es um die Deutung der Extras des ultrakleinen Spielzeugs geht.

Ich bin gewiss kein Technik-Feind, aber den Fortschrittsglauben mancher Zeitgenossen kann ich nicht begreifen. Zu viele Neuerungen sind mit schmerzlichem Verlust erkauft. Zu selten ists ein Kompromiss. Meist liegt es nur daran, behaupte ich, dass die Entwickler das Wesen ihres Gegenstandes nur halb begriffen haben und zu früh zufrieden sind. Das find ich schade.

29. November 2009, 15:53