Leonardos Fahrrad? jörns notizen

02.
Dezember
2009

Der freie Sonntag...

Das Bundesverfassungsgericht hat gesprochen, das Berliner Ladenschlussgesetz greift zu weit, vier verkaufsoffene Sonntage im Advent sind zuviel. Man könnte ja meinen, diese Sonntage verteilten sich doch über fast ein halbes Jahr, aber der Advent beginnt noch immer erst drei bis vier Wochen vor Heilig Abend. Auch wenn sich das bis in die den Schokoladenhohlkörpern so wesensverwandten Vorstands-Etagen der Supermärkte noch nicht herumgesprochen hat. In epischer Breite, aber gerade noch lesbar, und man muss es sich nicht mühsam zusammensuchen, erhält man unter römisch eins einen Einblick in das Dickicht aus Ladenöffnungsregelungen. Ich finde es erschreckend, wie sehr wir unsere Belange durch Paragraphendschungel regeln. Dann folgen die Argumentationen der Beschwerdeführer, und schließlich kommen die Verfassungsrichter dann zum Schluss, natürlich ausführlich begründet.

Das alles ist ganz nett, und es ist in meinem Sinne, den freien Sonntag irgendwie zu retten, und sei es nur ein bisschen.

Aber was mir so richtig gut gefällt, sind solche Passagen der Begründung: ‘Die Arbeitsruhe dient darüber hinaus der physischen und psychischen Regeneration und damit der körperlichen Unversehrtheit’ und ‘der zeitliche Gleichklang einer für alle Bereiche regelmäßigen Arbeitsruhe [ist] ein grundlegendes Element für die Wahrnehmung der verschiedenen Formen sozialen Lebens’.

Vielleicht geraten so bei uns solche Gedanken mal wieder in die Diskussion, die es nämlich auch außerhalb religiöser Bezüge wert ist. Und ein Hauch von jenem Arbeitsklima weht zu uns, von dem man hin und wieder ahnungsweise aus Skandinavien hört. Dann brauchte es vielleicht auch nicht mehr derart vieler Paragraphen, um uns einander freie Zeit zu gönnen. Denn Paragraphen sind, wenn auch sicherer, doch immer unflexibler als menschliche Vernunft.

2. Dezember 2009, 07:57