Leonardos Fahrrad? jörns notizen

15.
August
2010

Wegelagerei...

Weil Google und Verizon gerade die Datenneutralität des Internet zu untergraben versuchen und sie dazu insbesondere (vermutlich, weil es leichter durchzusetzen geht) einen Unterschied zwischen Internet via Festnetz und sogenanntem mobilen Internet etablieren wollen, fällt mir der Artikel in der Zeit von Marcus Rohwetter wieder ein, Liebe Halsabschneider!, dessen Lektüre zwar nix ändert, aber geteiltes Leid ist halbes Leid. UMTS bleibt eine Blase, bestenfalls eine Ersatz-Notlösung (herzliches Beileid den Betroffenen), solange die Tarife Lichtjahre von den Kosten entfernt sind und die Suggestion vollwertigen DSL-Ersatzes durch die Werbung geistert. Aber gibt es eine Chance gegen das Monopol der Etablierten? Der Markt als Regulativ – dass ich nicht lache!

Die Politik, damit sie ändernd wirken könnte, müsste sich zunächst von den Einflussnahmen der Wirtschaft unabhängig machen. Repräsentative Demokratie ist eben für Lobbyisten leicht zu fassen. Basisdemokratie gibt es bei uns nicht – mit dem Verweis darauf, dass sie für Demagogen leicht zu fassen sei.

Das Monopol der Etablierten wird in manchen Branchen für Späteinsteiger nicht zu brechen sein. Abgesehen davon, dass es aus Sicht der Gesellschaft wirtschaftlicher und ökologischer Schwachsinn wäre, Netze für Strom, Gas, Wasser, Abwasser und eben für Datentransport (übrigens auch das Schienennetz der Bahn) redundant auszulegen, vor allem auf der sogenannten letzten Meile. Das gilt zumindest so lange, wie Anbieter der Leitungsnetze und der Inhalte in einer Person auftreten dürfen. Was gerade zwischen Google und Verizon ausgelotet wurde, bringt diese Vermischung auch für das Internet gefährlich nahe. Deshalb sei hier nochmals auf die Initiative pro Netzwerkneutralität! verwiesen. Das Internet beschert uns – jedenfalls noch – so eine Ahnung von Basisdemokratie. Zumindest kann man den Lobbyisten deutlich machen, welcher Menschenmenge Wachgewordener sie jeweils gegenüberstehen.

Die Alternative? Bliebe nur noch der Boykott, der aber rechtlich in einer Grauzone liegt. Dass so etwas wirksam funktionieren kann, indem man einen der unangreifbar scheinenden Großen auswählt (auslost?) und gezielt schneidet, hat einst Shell mit Brent Spar erlebt. Allerdings war dort auch zu erleben, wie schnell diese Kraft sich zu Unrecht entfalten kann – Greenpeace hatte sträflich mit den Angaben zum Ausmaß der potentiellen Belastung geschludert.

Bleibt nur noch der Traum, dass in den Vorstandsetagen durch ein Wunder plötzlich wieder hanseatischer Anstand einziehen möge.

15. August 2010, 16:54