Leonardos Fahrrad? jörns notizen

29.
August
2010

Wolkenblase

Clouds sind seit einiger Zeit so ein Marketing-Modethema, eine gigantische Cloud-Computing-Wolkenblase treibt schillernd vor sich hin.

Man kann nun Cloud Computing aufs Korn oder auf die Schippe nehmen, nur auf die leichte Schulter nicht. Es ist ein Datenschutzthema (wie in ihrem Zeit-Blog Kulturkampf Christiane Schulzki-Haddouti ganz recht bemerkt). Vor allem sind die Technologien dahinter nicht neu, und der Begriff ist alles andere als wohldefiniert. Typisch für solche Modeerscheinungen. Es gibt einen griffigen Namen, der ausreichend wolkig definiert ist, um ihn ohne Hintergrundwissen allenthalben anbringen zu können.

Clouds, die das Internet bewölken, sind mir nur dann willkommen, wenn ich darin ordentlich verschlüsselte Daten hinterlegen kann. Damit kann man aber kein Cloud Computing betreiben, denn dazu müsste man ja innerhalb der Cloud an die Inhalte herankommen. Ist also nur eine sehr marginale Form dessen, was da gegenwärtig so hochgeredet wird. In einem Intranet ist das ein anderes Thema; das Intranet, es ist im besten Fall ein geschützter Raum, bei dem man wohl erwägen kann, manche Daten durch einen irgendwo, aber eben im Intranet gelegenen Rechnerpool verarbeiten zu lassen.

Wenn ich an Internet und verteiltes Arbeiten denke, dann schweben mir gut verschlüsselte Datenmassive vor, die jederzeit als Kopie auch offline zu nutzen sind. Die nur am Endgerät entschlüsselt werden, und auch das nach Zugriffsrechten unterschieden. Für die es Konsistenzsicherungs- und Backup-Mechanismen gibt, hin zu unterschiedlichsten Plattformen. Gibt es leider nicht. Noch nicht in Sicht. Das Telefon kennt Adressen und Termine, aber die kann es nicht ohne intensive, nervenaufreibende Mithilfe des Nutzers mit den entsprechenden Programmen auf dem heimischen PC abgleichen. Vor allem nicht ohne Detailverluste. Adressbüchern fehlt hier das eine, dort das andere Element. Terminen lassen sich nicht selbstverständlich Gruppenrechte zuteilen, die sie automatisch den jeweiligen Gruppenmitgliedern auf den Schirm bringen. Für vieles gibt es unterschiedlich clevere, ansatzweise Lösungen, aber es gibt keine umfassende. Das liegt wesentlich daran, dass man von Datenkompatibilität zwischen unterschiedlichen Anwendungen nicht reden kann.

Fast jeder kann sich heutzutage mit fast jedem verbinden und Daten austauschen, aber eine Ebene höher, bei der semantischen Analyse, ist großes Schweigen im Walde. Weil jeder sein eigenes Attributierungssystem einführt, andere versuchen immerhin, eine Art Fach-Esperanto zu installieren. Es scheitert, wie Esperanto. Weil es nicht die richtige Herangehensweise ist. Ich halte den Cloud-Boom für eine phantasielose Flucht; Daten werden in der Cloud letzlich wieder zentralisiert (auch wenn Cloud Computing verteiltes Arbeiten suggeriert), und zudem entsteht Abhängigkeit vom Netzanschluss. Ich meine, dass XML eine gute Basis für den Datenaustausch ist, dass aber etwas wie fest vordefinierte XML-Dialekte nicht aus dem Kompatibilitätsdilemma führt. Ich meine, dass Programme uns in die Lage versetzen müssten, Attributierungssysteme in kürzester Zeit halbautomatisch aufeinander abzubilden. In dem Umfang, in dem es für die jeweilige Anwendung gerade erforderlich erscheint. Optional verlustfrei. Ist noch recht nebulös, dieses Statement. Es wird mich geraume Zeit beschäftigen, dann mehr.

29. August 2010, 18:11