Leonardos Fahrrad? jörns notizen

26.
Oktober
2010

Wohin die Reise geht...

Peter Ramsauer auf eine Frage der ZEIT zur Bahnprivatisierung: Es war bestimmt richtig, aus der Staatsbahn ein Unternehmen zu machen. Durch die private Rechtsform hat sie ein modernes Rechnungswesen und kann flexibler arbeiten. Aber der Staat sollte sie nicht komplett verkaufen. Ihr Unternehmensziel darf nicht immer die Gewinnmaximierung sein. Ihre Produkte sind Kundenorientierung, Schnelligkeit, Pünktlichkeit, Sicherheit, Sauberkeit und Zuverlässigkeit. Und sie soll dazu beitragen, das Land gleichmäßig zu entwickeln.

Ein CSU-Mann stellt Gewinnmaximierung in Gegensatz zu Kundenorientierung, Schnelligkeit, Pünktlichkeit, Sicherheit, Sauberkeit und Zuverlässigkeit. Das muss ich erst mal setzen lassen. Nicht weil der Gegensatz an sich mir neu gewesen wäre; es entspricht täglichem Erleben. Die Zeiten bürgerlichen Anstands (des mit dem hanseatisch s-pitzen ‘s’) und der sogenannten Ehre sind vorbei, zumindest in den Vorstandsetagen. Geld regiert die Welt, das Regulativ religiös motivierter Überzeugungen bröckelt dahin; der Gedanke ans Jüngste Gericht ist längst von jüngsten Gerüchten übertüncht.

Die Frage ist, wohin die Reise geht. Ein Zurück kann nur ersehnen, wer jene Gleichmacherzeiten nicht aushalten musste oder phantasielos und biegsam genug ist, um ihren Druck nicht zu spüren. Den Paragraphenwald noch weiter aufzuforsten, ist auch keine Lösung, wir haben eh längst ein überbestimmtes System, in dem es seiner Natur nach an allen Ecken und Enden ächzt und knarrt. Mir fällt im Moment nur der Idealismus ein, mit man sich vor zwanzig Jahren an runden Tischen zusammenfand. Ich habe wieder das Gefühl, dass uns Umbrüche bevorstehen. Und wieder bin ich mir nicht sicher, wohin die Reise geht, Hauptsache, wir Bürger brechen auf, bevor die Gesellschaft kippt und ins Totalitäre abrutscht.

26. Oktober 2010, 07:20

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Aus meiner Sicht ist ein großes Problem unserer Gesellschaft, dass der Staat seiner Aufgabe nicht mehr gerecht wird. Er sollte eigentlich für einen Ausgleich für die sorgen, die zu schwach sind, für sich selbst zu sorgen. Statt dessen wird er von Lobbyverbände (Hotels, Energiekonzerne, …) gelenkt und macht die Gesetze, die eben diese Verbände vorgibt. Und genau die, für die der Staat da sein sollte, haben diese Lobby in der Regel nicht…

Wann wird man wieder begreifen, dass gute Beratung kostet? Wenn ich eine Versicherung brauche, kann ich zu einem Vertreter gehen, der mich kostenlos “berät” oder zu einem unabhängigen Berater, der Geld kostet. Der kostenlose Berater wird von jemand anderem bezahlt. Welche Interessen wird der wohl vertreten?

Genauso läuft das mit vielen “Experten”, die für unsere Regierung arbeiten. Auch die werden häufig von anderen bezahlt. Und selbst im auch so freien Journalismus macht sich diese Mendalität breit. Zeitungen verzichten auf eigene Journalisten und nutzen “kostenlose” Artikel. Irgendwer muss die allerdings bezahlen. Und so verschwimmt unmerklich die Grenze zwischen PR und redaktionellen Beiträgen…

— Michael    2 November 2010, 18:45    #  
 
 

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