Leonardos Fahrrad? jörns notizen

14.
März
2012

Kunst der Beschränkung

Bin vor Tagen über Professor Moriarty gestolpert, respektive über eine Meldung zu seinem Perlenspiel, und nachdem die Assoziationsgewitter in Richtung Sherlock Holmes und Hermann Hesses Glasperlenspiel sich verzogen hatten und einige der aus jenem Projekt geborenen Spielideen ausprobiert waren, mit durchwachsenem Befund, blieb dieses an- und zumutende Orson-Welles-Zitat hängen:

“Der Feind der Kunst ist die Abwesenheit von Beschränkungen.”

Und ich beginne zu graben, wo und wann, in welchem Kontext Welles diesen Satz geäußert hat. Dass Beschränkung eine Kunst ist und der Kunst Beschränkung zumindest zuträglich, ist kein bahnbrechend neuer Gedanke. Aber das Zitat stammt von dem Menschen, der mit einem Hörspiel nach H.G. Wells’ Krieg der Welten jene legendäre Massenpanik auslöste, die wahrscheinlich nur Legende war, von ihm selbst forciert…

Und bevor ich weiter darüber grübele, warum Zitate mir überhaupt etwas bedeuten und ob von ihnen eine erklärbare Faszination ausgeht, oder ob sie als bloße Legitimationskrücken eigener Gedanken missbraucht werden, suche ich dieses Zitat eigenhändig aus seinem Zusammenhang zu reißen (gibt es dazu nicht auch ein geläufiges Zitat?) und suche nach der Quelle. Immerhin ist sie vage auszumachen, Dank Google Books und einem Verlag, der begriffen hat, dass man Bücher am besten verkauft, wenn man probelesen lässt, in Jason E. Squires The movie business book findet man auf Seite 54: Orson Welles once said to me at lunch, “The enemy of art is the absence of limitations.” Wow. Was für ein langes Leben so ein Mittagessen-Ausspruch entwickeln kann…

Da die Kunst der Beschränkung nicht eben zu meinen Fertigkeiten zählt, breche ich hier wenigstens ab, anstatt endlich über das Thema zu reflektieren, das mich an dieser ganzen Sache am meisten interessiert: Wie vielfältig Kunst und Beschränkung miteinander verwoben sind.

14. März 2012, 21:27