Leonardos Fahrrad? jörns notizen

18.
Januar
2013

Kunstfrage

Das ist doch keine Kunst! Schon dieser Satz birgt in sich einen Spannungsbogen zwischen Können und dem schwer fassbaren Mehr, das aus bloßem Können Kunst entstehen lässt.

Dass Kunst von ‘können’ kommt, scheint (zumindest) aus Sicht der Etymologie gesichert. Die übrigens ‘kennen’ als Kausativ von ‘können’ erkennt – so setzt ‘kennen’ als ‘können machen’ das zur Kenntnis Gebrachte, das Erkennen dem Können voraus – das ‘Kennen’ von heute wirkt dagegen beinahe entwurzelt.

Aber muss es handwerkliches Können sein, oder genügt ein brillanter Einfall? Muss es immer brillant sein, oder ist auch “einfach nur schön” erlaubt? Affekt-Effekt vs. Intellekt-Defekt? Brachialkitsch vs. Mindswitch? Form follows function, aber muss das Gefäß denn leer sein? Ist Inhalt pur denn statisch nur, in Halt eben? Muss man stets wie wild auf der Suche nach neuen Formen sein, weil doch schon alles gesagt ist? Aber gibt es denn ‘das Neue’? Den neuen Inhalt? Ist das nicht eine zuletzt in der Romantik wiedergeborene Idee, der alte Traum vom aufstrebenden Menschen?

Wenn Kunst von ‘wollen’ käme, hieße es ja ‘Wunst’. Nicht nur Karl Valentin wird dieses Wort zugeschrieben. Alles wurde so oder so ähnlich schon einmal formuliert. Erfindungen sind nichts als Findungen; mit klarem Blick und wachem Verstand neu kombiniert aus Überkommenem entsteht das Neue.

Die Kunstfrage bleibt täglich auf neue Weise unbeantwortet.

18. Januar 2013, 23:01

verlinken