Leonardos Fahrrad? jörns notizen

18.
Januar
2013

Demokratie?

Ist’s noch Demokratie? Herrschaft des Volkes?

Wer bitte ist das Volk? Wir? Kaum war in der Wendezeit der gute Ausgang abzusehen, rief man nicht länger “Wir sind das Volk!”, stattdessen hieß es nur, wir seien eins. Aber ganz sicher war nicht irgendeins gemeint. Eins zu werden scheint in Wahrheit in einer großen Masse nicht so leicht, die Piraten können ein Lied davon singen, und viele andre auch. Der Rettungsanker schien seit langem die “Repräsentative Demokratie” zu sein. Demos wählt, Gewählte entscheiden.

Sofern die gewählten Volksvertreter ihre Zeit auch dafür nutzen, sich für die Entscheidungen ein Fundament anzulesen, besteht Hoffnung. Zu hoffen, dass das jeder Wähler leisten könnte, ist Illusion.

Aber der gemeine Volksvertreter, der Herrscher von Volkes Gnaden ist nahe dran am selbsternannten Herrscher von Gottes Gnaden: Es geht gut, solange dieser Herrscher ein klarer Kopf und weitgehend unbestechlich ist, mit Verantwortung vor Gott und/oder den Menschen Zukunft entscheidet. Sich infrage stellt. Aber ist das realistisch? Der gemeine Volksvertreter ist doch zu versucht, sich das Fundament seiner Entscheidungen nicht anzulesen, sondern anzueignen, in einem ziemlich monetären Sinn.

Die repräsentative Demokratie hat ausgedient, sobald ein überzeugendes Alternativ-Modell gefunden ist. Überzeugend sind die Ansätze der Generation Internet noch nicht. Zu leicht manipulierbar, wenn nicht der Einzelne, dann doch das System, das es immerhin finanzierbar werden lässt, alle an einer Entscheidung teilhaben zu lassen. Moderne Systeme sind schnell – aber gut Ding will Weile haben.

Für mich ist eine transparent-repräsentative Demokratie die Alternative. Wer sich in ihren Dienst wählen lässt, nimmt die Bürde höchster Transparenz auf sich. Jede Entscheidung muss detailliert dokumentiert werden. Aber ist nicht auch das nur eine Illusion? Sind nicht manche Entscheidungen zwangsläufig getrieben von Wissen, das besser nicht zum Allgemeingut wird? Sei es im militärischen Bereich, oder bezüglich hochinnovativer Entwicklungstendenzen, die im Hinterzimmer kommunizierbar, aber noch nicht spruchreif sind? Ich weiß es nicht.

So bleibt bislang nur, den Volksvertretern auf die Finger zu schauen, den Lobbies und der Korruption und sich selbst ein waches Auge und jede Menge Fragezeichen entgegenzusetzen.

18. Januar 2013, 23:03

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