Leonardos Fahrrad? jörns notizen

23.
März
2013

Wissenschaft und Sprache

Ist Wissenschaft der Sprache mir tausend Male lieber als Sprachen der Wissenschaft es mir je werden können, müsste sich der Boden unter mir als Programmierer (und meinen Wurzeln nach auch Mathematiker) nicht auftun? Nein.

Die Linguistik befasst sich mit einem Phänomen, das unseres Verstandes ebenso bedarf wie es ihn prägt. Wissenschaft ist der beständige Versuch einer Näherung, Wissenschaft kann spannend sein. Die Wissenschaft der Sprache ist es allemal.

Mit Wissenschaftssprache assoziiere ich dagegen wenig Positives.

Zunächst denke ich an weltfremde Begriffswelten. Abstraktions­orgien, in denen mit Begriffen jongliert wird, die genau zu fassen kaum einer sich bemüht. Komplexe Zusammenhänge ließen sich ohne unzulässige Vereinfachungen nicht darstellen, tönt es naserümpfend über Versuche allgemein verständlichen Formulierens, aber zugleich wird die beackerte Komplexität pragmatisch heruntergebrochen auf das mit dem geschaffenen Formelapparat Fassbare.

Etwas milder schaue ich auf die Formelsprachen der Mathematik, der Algebra insbesondere, aber auch hier finden sich aufgeblasene Abstraktionsballone, die einen wahren Aufstieg kaum überstehen würden – und vielleicht gerade deshalb mit so viel unnützem Ballast beladen sind.

Programmiersprachen stimmten mich beinahe wieder milde; in ihrer zuweilen einfältigen Vielfalt und mit all den religiös anmutenden Streitereien dahinter, wenn nicht die Programmierer-Gilde sich ausdauernd als menschenfern beweisen würde. Vielleicht sollte Informatik als wesentliches Element ein Grundstudium der Linguistik enthalten?

23. März 2013, 20:49