Leonardos Fahrrad? jörns notizen

23.
März
2013

Szä komon Längwitsch off Szaints - Listen Albert Einstein

Bin via Lera Boroditsky bei einem Open Culture Artikel gelandet – und höre, fassungslos, O-Ton Albert Einstein.

Nie hätte ich diese weiche, herzenswarme Stimme für die Albert Einsteins gehalten, aber auch nie ihm einen so grauenvollen Akzent zugetraut, der einen zwischen Weinen und Lachen gefangenhielte, wäre da nicht eben diese Güte in seiner Stimme. Und ein bisschen meine ich auch jenen Dialekt herauszuhören, den ich von meiner geliebten Potsdamer “kleinen” Oma noch im Ohr hab, leicht lispelnd, mit dieser wohltuend entschärften Fassung knackig-schnoddrigen Berlinerns…

In seiner kleinen Radio-Rede “The Common Language of Science” streift Einstein Aspekte der Entstehung menschlicher Sprache, reflektiert kurz über das Verhältnis zwischen Sprache und Denken, und landet schließlich beim Thema Wissenschafts­sprache. Inhaltlich kein Wow-Effekt, wenig Tiefe, schwache Schlüsse. Man mag ihn daraus nicht zitieren, weil die wenigen dafür tauglichen Sätze in kein Mehr eingebettet sind.

Dennoch ein Zitat, “Perfection of means and confusion of goals seem — in my opinion — to characterize our age.” Nun bin ich gewiss nicht der Meinung, dass unsre heutigen Mittel und Wege an Perfektion grenzten. Aber ich vermisse den Willen, klare Ziele zu definieren. Vielleicht ein von Lobbyismus und Korruption getriebener Mangel an Ehrlichkeit, vielleicht Angst vor unserer Unkultur im Umgang mit dem Scheitern, in vielen Fällen befürchte ich schlicht dumme Ahnungslosigkeit als Ursache. Man läuft schon mal los, das Ziel wird sich finden, je nach Wetterlage und Windrichtung.

P.S.

Eine deutschsprachige Fassung, augenscheinlich ein Entwurf für diesen Radio-Beitrag, findet sich hier im Einstein-Archiv. Einsteins Handschrift. Ich finde es interessant zu ahnen wo er innehielt, wo und wie er an der Formulierung bastelte, und welche Gedanken ihm augenscheinlich ohne Zögern aus der Feder flossen.

23. März 2013, 23:05