Leonardos Fahrrad? jörns notizen

02.
November
2006

Mich deucht,

je länger ich schlafe, desto müder wache ich auf. Offenbar kommt mein Körper auf den Geschmack, wenn ich zu lange schlafe. Ich werde mich entscheiden müssen. Wie bisher mit wenig Schlaf am Abgrund, oder konsequent so viel davon, dass es dem Körper leid wird. Bis er, des Schlafes überdrüssig, mich morgens aus dem Bett scheucht. Und mir die warme Federdecke nicht mehr so paradiesisch scheint. Dort drunter liegend gingen mir heut Morgen ‘dünken’ und ‘den Anschein haben’ durch den Kopf. Mir schien, dass ich ‘mir scheint’ nicht passgerecht gebrauche, wenn ich den Anschein des Gedankens meine. Und wirklich stammt ‘mich deucht’ als Konjunktiv Präteritum von ‘dünken’ ab, das nicht nur seinem Klange nach ganz nah beim Wörtchen ‘denken’ liegt. Wogegen doch ‘mir scheint’ was Irrlichthaftes hat und vielleicht besser den Widerschein des Äußeren bezeichnet. Nun sitze ich am Fenster und mir scheint, es wird ein herrlich klarer Herbsttag aus leuchtend bunten Farben. Und deucht mich vorhin noch, ich würde heut nicht wach, jetzt sieht die Welt doch schon ganz anders aus. Und trotzdem fasse ich die Federdecke heut Morgen nur mit spitzen Fingern an. Sicher ist sicher.

2. November 2006, 08:26