Leonardos Fahrrad? jörns notizen

30.
November
2006

Nicht suchen, finden.

Wenn Theodor W. Adorno das Dilemma der Kunst mit “Kunst will das, was noch nicht war, aber alles, was sie ist, war schon.” zu beschreiben sucht, so rette ich mich zu den Malern, denen ich schon immer unterstelle, sinnlicher zu sein als etwa Dichter oder Musiker. Dort fühl ich mich zu Hause, obgleich ich überhaupt nicht malen kann, in Sätzen wie diesem: “Das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht, sondern findet.” von Pablo Picasso, der den Unterschied im Ergebnis so umreißt: “Es gibt den Maler, der aus der Sonne einen gelben Fleck macht, aber es gibt auch den, der mit Überlegung und Geschick aus einem gelben Fleck eine Sonne macht.” Und für Marc Chagall, natürlich, rettet uns die Liebe: “In der Kunst wie im Leben ist alles möglich, wenn es auf Liebe gegründet ist.”

Doch bevor aus alledem ein unsägliches “Du musst es nur wollen” vorzuschmecken beginnt, lass ich Max Liebermann die Bremse ziehen: “Kunst kommt von Können, käme sie von Wollen, so würde sie Wulst heißen.” Es gibt auch eine Fassung von Karl Valentin, die geht mit ‘Wunst’, doch ‘Wulst’ trifft es viel besser, auch oder weils wohl eher Verbalabstraktum zu Vorläufern von ‘Wallen’ ist. Nur sollten, ich erinnre an den eingangs zitierten Satz von Herrn Adorno, die Könner öfter daran denken, dass auch die Suche nach dem Neuen, das Wollen dessen, was noch nicht gewesen, zuweilen elend als ein Wulst sein Ende findet.

30. November 2006, 08:31