Leonardos Fahrrad? jörns notizen

04.
Februar
2007

Aequo- oder Synonym

Von Umberto Eco, in seinem Buch übers Übersetzen “Quasi dasselbe mit anderen Worten”, gleich im ersten Absatz seines “Einführung” überschriebenen Vorwortes, zu den Schwierigkeiten eben des Übersetzens dann dieser Nebensatz: “ganz zu schweigen von Ersetzungen durch angebliche Synonyme.” Allein für dieses “angebliche Synonyme” werde ich ihm jede etwaige Länge in seinem Buch verzeihen, das sich im übrigen sehr unterhaltsam zeigt und ich nur allen anempfehlen kann, die Sprache lieben. Zumal doch jede Artikulation in weitrem Sinne auch eine Übersetzung ist.

Sie könnten ja auch Aequonyme oder Aequonome heißen, wenn Synonyme denn tatsächlich austauschbar und gleichbedeutend wären. Doch ‘Synonym’, es ist entstanden neben griechisch ‘ónoma’ (für ‘Name’ und ‘Begriff’) aus griechisch ‘sýn’ (‘zusammen’). Nun bin ich (weiß Gott!) des Griechischen nicht mächtig, um jenes ‘sýn’ korrekt zu deuten, aber ganz gleichbedeutend mit lateinisch ‘aequus’ für ‘gleich’ ist es sicher nicht, man denke an ‘Synthese’.

Wenn mancherorts die Anglisierung unsrer Sprache gegeißelt wird und Untergang heraufbeschworen, dann lächle ich nur müde. Wenn man denn Sprachverfall beklagen wollte, dann weil uns Wortvielfalt und die Flexion verloren gehen. Sprache ist immer schon ein Fluss gewesen, hat sich bewegt, verästelt und vereinigt. Aber um den Konjunktiv ist’s wahrlich schade. Und manches Wort geht nicht nur verloren, weil es die Sache nicht mehr gibt. Die Mangel bespielsweise, in die man heute noch genommen werden kann, wird sie überleben, obgleich das Wäschemangelungetüm mit Wackersteinen drin doch heutzutage keiner mehr benutzt? Ginge sie verloren, ich hielt das für normal. Bei den Synonymen schmerzt mich’s dagegen mehr. Wenn lokale, mundartliche Varianten uns verloren gehen, dann ist es vielleicht schade, man kann es aber noch als Lauf der Dinge sehen. Doch wenn überregional verfügbare Feinheiten der Sprache achtlos verworfen werden, dann tut mir das weh. Ich sehe für ein jedes Synonym auch auf die Geschichte; es hat eine eigne Richtung, aus der es auf die Sache zeigt. Und auch im Ziel des Synonyms gibt es Facetten und Nuancen, die man achten kann.

Ja, natürlich, recht, nun ist ein Beispiel, ein Exempel an der Reihe, dran und fällig. Man muss keine Krümel kacken, will man synonyme Wörter retten. Natürlich darf und soll man sie auch austauschbar gebrauchen, um eines Rhythmus willen, oder weil man Wiederholung meiden möchte. Regen, Schauer, Wolkenbruch und Guss, es nieselt, pieselt, tröpfelt oder gießt. Stab und Stecken, Pfahl und Pfosten, Säule oder Stele, Ständer, Postament, wir wissen um die Unterschiede (wissen wirs? ), doch haben wir die Synonyme auch parat, bereit, dabei, gehören sie zu unserem aktiven Wortschatz? Man kann das prima üben, es ist ein Spiel: irgendetwas aus unsrem Alltag greifen und gemeinsam Synonyme finden. Und denen dann auf ihren Grund zu gehen suchen. Etwa ‘parat’, ‘bereit’, fast könnte man im Klang für beide eine Wurzel ahnen. Doch ‘parat’ kommt von ‘paratus’, lateinisch für ‘vorbereitet’. Und ‘bereit’ hat seine Wurzel in ‘reiten’, das wie ‘Reede’ und wie ‘rinnen’ wohl indogermanisch ‘reidh’ zuzuordnen ist, für ‘in Bewegung sein’. Wir sind oder wir halten uns bereit für einen Aufbruch, in weitrem Sinne halten wir etwas bereit, dass es zu nutzen sei und uns ein Nutzen werde. Wir haben etwas vorbereitet und drum parat, auf Lager, intus – dies Wort zielt eher auf die Vorgeschichte. Und schon ergibt sich eine Richtschnur, ein Hinweis, ein Geländer, ein Halt, ein Anhaltspunkt, ein Weg, wie wir im Alltag diese beiden Worte scheiden könnten. Könnten. Mehr will und wünsche, erträume, erhoffe und ersehn ich nicht.

4. Februar 2007, 13:57