Leonardos Fahrrad? jörns notizen

01.
März
2007

Traumräume

Mir träumt immer wieder, ich würde wach. In einem verworren fremden Raum, von wilder Schönheit oder kühler Eleganz. Ein Raum, in dem hernach ein jedes Mal beglückend viel Vertrautes in mein Auge fällt. Der jedoch zunächst mich sehr verwirrt nach dem Woher und dem Wohin das Hirn zermartern lässt. Denn zu Beginn erinnere ich mich gar nicht. Manchmal passiert mir das im Leben auch. Aber im Leben wird man schnell richtig wach, wenn man sich in einem andren Raume wähnt. Man rennt sich dann die Zehen ein oder seinen Kopf, irgendwas fällt krachend nieder oder der liebste Mensch auf Erden schreckt aus seinem Morgenschlummer.

Nach einer solchen Raumtraumnacht liege ich des Morgens wach und frage mich, warum ich diese Räume träume. Sind es Fluchtgedanken? Doch wovor? Versagensängste sind es nicht; dafür hab ich wahrlich eine andre Art von Träumen. Vielleicht sinds Fernweh, Sehnsucht, Hunger nach dem Neuen. Ganz sicher meine stete Frage nach dem eigenen Wohin, die ich im Alltag reduziere auf meine Kenntnis des Woher. Nach einer solchen Raumtraumnacht frage ich mich dann, ob ich nicht doch allmählich meine Ziele finden sollte, nachdem ich schon so lange Tür um Tür in neue Räume ging.

Aber ich mag doch Ziele überhaupt nicht; ich liebe dafür Träume und liebe jede Tür in neue Räume. Ziele sind doch nur Markierungen. Jedes Ziel ist Schlussstrich, Ende, Aus – und zugleich Markierung eines Territoriums. Messpunkt für den Schrei “Ich war der Erste”. War, denn bei Erreichen ist ein Ziel Vergangenheit. Dann bleiben nur das Trommeln mit den Fäusten und das Schulterklopfen, und schon heißts “Nochmal”.

Nein, dann träum ich lieber weiter meine Räume und weiß nicht recht wohin und gehe einfach immer weiter.

1. März 2007, 08:19