Leonardos Fahrrad? jörns notizen

07.
März
2007

Stille

…und wieder pickt die Küchenuhr die Stille auf, Kurt Tucholsky fand dies wunderbare Bild und hat es gleich verschenkt, im April 1914, an seine Erzählung In des Waldes tiefsten Gründen, darinnen er von einem sehr, sehr deutschen Räuberdorf berichtet.

Und weil ich einmal beim Zitieren bin, als Peter Panter beschrieb Tucholsky 1931 in einer Glosse (Verkehr über dem Haus) das Maß der Stille, das er brauchte: still muss es sein, so still, dass man die Druckfehler in den Büchern knistern hört.

Eigenartig, dass die Stille so oft mit dem Geräusch verbunden – ich sehe mich bei meiner kleinen Großmutter, sie schläft am schmalen Ende ihres Küchentisches, den Kopf auf ihren Unterarmen, wie sie es wohl des Mittags ihr Leben lang getan, und die Zeit scheint stillzustehen. Wäre nicht die Uhr, die unablässig tickt und dabei doch dieses Gefühl des Stillstands noch verstärkt.

7. März 2007, 08:59