Leonardos Fahrrad? jörns notizen

15.
März
2007

Mit der Ruhe

habe ich es nicht, darum sage ich mir immer wieder „immer mit der Ruhe”. Das ist widersinnig; für mich wär „manchmal mit der Ruhe” schon zuviel. Denn Gelassenheit zählt nicht zu meinen Stärken. Andererseits kann mir es nicht genug der Ruhe geben, wenn die Ruhe Stille meint. Und süßes Nichtstun ist mir lieb, vor allem in der Ruhe vor dem Sturm. Dann bewahr ich ruhig Blut, bis es zu spät ist.

Gestern sprengte mir die Ruhe fast das Trommelfell. Sagt vor mir in der Schlange an der Kasse doch so ein Typ mit Bauarbeiterpranken seinem Mütterchen, das panisch aufgeregt sein Portemonnaie zu finden sucht, mit liebevollem Unterton: „Immor middär Ruhe, Muddschn!”. Das „Muddschn” sucht ohne aufzusehen weiter. Ich würde auf so eine Anrede an ihrer Stelle auch nicht reagieren, aber bei ihr ist es wohl die Schwerhörigkeit. Nun hat sie doch gemerkt, dass er was sagte, blickt fragend und verzweifelt auf. Und es wird klar, sein liebevoller Unterton war mühsam nur erkämpft: „Middär RRRUUUUUHHÄÄÄ!” Direkt neben meinem Kopf. Fünf Minuten später ließ das Fiepen in meinem linken Ohr dann nach, und ich konnte das leise Röhren des sich allmählich verabschiedenden Vorschalldämpfers genießen, als wäre es das Summen von lauter Brummelhummeln auf einer stillen Sommerwiese.

15. März 2007, 08:32