Leonardos Fahrrad? jörns notizen

22.
September
2007

tag-T-raum

Er holt mich ein, immer wieder, besonders an so wilden Abenden wie jetzt, da sich die Nächte über schneidend klares Herbstlicht legen. Ich brause meinem Noch-Domizil entgegen, längs der Elbe, die quer zerfurcht vom Abendwind sich in der Dämmerung bedrohlich zeigt. Mein Kopf ist zum Zerspringen angefüllt, ein Knäuel roter Fäden, die sich mal wieder nicht entwirren wollen, das Spannseil meiner Seele scheint zerfasert, ich kann mich nicht entscheiden, und folge allen Wegen parallel, ein Kopfspagat, gottlob habe ich einen dicken Schädel. Und dann seh ich dieses Bild von einer Brücke, die sich atemraubend spannt und doch nicht Anfang und nicht Ende hat, ein schwebendes Fragment, ein Regenbogen aus Beton, die Enden unerreichbar. Ich fühle, dass dies meine Brücke ist, noch unvollendet, wie so vieles, für das mir einfach Muße fehlt. Auf der Brücke braust ein Zug, die Türen zu, kein Trittbrett ist zu sehen, stromlinienförmig saust er, und ich kann ihn schneller fahren lassen, nur Bremsen ist nicht möglich; es gibt keinen Halt. Dieses Bild ist mehr Gedanke denn ein Traum; ich bin ihm nicht ausgesetzt. Und doch sehe ich es wiederkehrend. Und wundre mich, dass mich gerade dieses Bild ganz ruhig werden lässt, die roten Fäden mir entwirrt und Ordnung in das Chaos bringt.

22. September 2007, 09:41