Leonardos Fahrrad? jörns notizen

Sprache macht es möglich, dass wir Münchausen gleich aus unserem Gedankensumpf entkommen - um in babylonischer Vielfalt zu landen… »

07.
Juli
2015

Déjà-vu

Via fefe via HotchPotch dank Georg Schramm (sehenswert!) mal wieder über Frank Schirrmachers Demokratie ist Ramsch gestolpert. Déjà-vu.

P.S. Auster and Austerity sound pretty much the same – but differ quite as much they can. The Auster got its name for the harsh and stable shell, whereas Austerity for harshness and cruelty of the hearts.

7. Juli 2015, 23:05

01.
Juli
2015

Genau!

Genauigkeit ist nicht unbedingt ein heraus­ragendes Merkmal unserer Zeit. Und dennoch ist es allgegenwärtig, dies “Genau!”

Ich frage mich, woher das kommt. Der mhd. Ursprung niuwen für “zerreiben, zerstoßen, zerstampfen” macht die pedantische Seite der Genauigkeit deutlich.

Aber dies “Genau!” höre ich heute sehr oft in für mich sinnfreiem Kontext. “Öhm, genau, und dann haben wir.. Genau, und dies ist… äh, ja, genau, ich würde sagen…” – Ist das schlicht eine Ergänzung zu überkommenen Verlegenheitslauten “Öhm”, “Äh”, “Jaa”? Oder gibt es ein früher gebräuchliches Äquivalent? Ich bin für jeden Hinweis dankbar.

1. Juli 2015, 23:50

10.
Februar
2015

Just stumbled upon...

Nachgeschlagen, ‘auswendig’ auf Englisch: ‘by heart’ oder ‘from memory’. By heart, how delightful is that!? Da kommt mir Ulla Hahn in den Sinn, die zwischen “Inwendig-Lernen und Auswendig-Sagen” unterscheiden mag (“Mit dem Gaumen des Herzens”, in “Dichter in der Welt”).

Dagegen tendieren die mir entgegenpurzelnden Übersetzungen von ‘in- und auswendig’ ins Englische gänzlich in Richtung ‘die Platte kenne ich schon in- und auswendig’ (‘to know somebody/something inside out’, ‘to know something backwards and forwards’, ‘to know something like the back of one’s hand’).

Ulla Hahns “Inwendig-Lernen” und ‘by heart’ sind sich recht nah. Ich werde für ‘auswendig’ in Zukunft öfter zu ‘by heart’ greifen; denn bitte was, wenn nicht Herzensangelegenheiten, motiviert mich noch dazu, etwas ‘from memory’ parat zu haben?

10. Februar 2015, 21:10

23.
März
2013

Szä komon Längwitsch off Szaints - Listen Albert Einstein

Bin via Lera Boroditsky bei einem Open Culture Artikel gelandet – und höre, fassungslos, O-Ton Albert Einstein.

Nie hätte ich diese weiche, herzenswarme Stimme für die Albert Einsteins gehalten, aber auch nie ihm einen so grauenvollen Akzent zugetraut, der einen zwischen Weinen und Lachen gefangenhielte, wäre da nicht eben diese Güte in seiner Stimme. Und ein bisschen meine ich auch jenen Dialekt herauszuhören, den ich von meiner geliebten Potsdamer “kleinen” Oma noch im Ohr hab, leicht lispelnd, mit dieser wohltuend entschärften Fassung knackig-schnoddrigen Berlinerns…

In seiner kleinen Radio-Rede “The Common Language of Science” streift Einstein Aspekte der Entstehung menschlicher Sprache, reflektiert kurz über das Verhältnis zwischen Sprache und Denken, und landet schließlich beim Thema Wissenschafts­sprache. Inhaltlich kein Wow-Effekt, wenig Tiefe, schwache Schlüsse. Man mag ihn daraus nicht zitieren, weil die wenigen dafür tauglichen Sätze in kein Mehr eingebettet sind.

Dennoch ein Zitat, “Perfection of means and confusion of goals seem — in my opinion — to characterize our age.” Nun bin ich gewiss nicht der Meinung, dass unsre heutigen Mittel und Wege an Perfektion grenzten. Aber ich vermisse den Willen, klare Ziele zu definieren. Vielleicht ein von Lobbyismus und Korruption getriebener Mangel an Ehrlichkeit, vielleicht Angst vor unserer Unkultur im Umgang mit dem Scheitern, in vielen Fällen befürchte ich schlicht dumme Ahnungslosigkeit als Ursache. Man läuft schon mal los, das Ziel wird sich finden, je nach Wetterlage und Windrichtung.

P.S.

Eine deutschsprachige Fassung, augenscheinlich ein Entwurf für diesen Radio-Beitrag, findet sich hier im Einstein-Archiv. Einsteins Handschrift. Ich finde es interessant zu ahnen wo er innehielt, wo und wie er an der Formulierung bastelte, und welche Gedanken ihm augenscheinlich ohne Zögern aus der Feder flossen.

23. März 2013, 23:05

23.
März
2013

Wissenschaft und Sprache

Ist Wissenschaft der Sprache mir tausend Male lieber als Sprachen der Wissenschaft es mir je werden können, müsste sich der Boden unter mir als Programmierer (und meinen Wurzeln nach auch Mathematiker) nicht auftun? Nein.

Die Linguistik befasst sich mit einem Phänomen, das unseres Verstandes ebenso bedarf wie es ihn prägt. Wissenschaft ist der beständige Versuch einer Näherung, Wissenschaft kann spannend sein. Die Wissenschaft der Sprache ist es allemal.

Mit Wissenschaftssprache assoziiere ich dagegen wenig Positives.

Zunächst denke ich an weltfremde Begriffswelten. Abstraktions­orgien, in denen mit Begriffen jongliert wird, die genau zu fassen kaum einer sich bemüht. Komplexe Zusammenhänge ließen sich ohne unzulässige Vereinfachungen nicht darstellen, tönt es naserümpfend über Versuche allgemein verständlichen Formulierens, aber zugleich wird die beackerte Komplexität pragmatisch heruntergebrochen auf das mit dem geschaffenen Formelapparat Fassbare.

Etwas milder schaue ich auf die Formelsprachen der Mathematik, der Algebra insbesondere, aber auch hier finden sich aufgeblasene Abstraktionsballone, die einen wahren Aufstieg kaum überstehen würden – und vielleicht gerade deshalb mit so viel unnützem Ballast beladen sind.

Programmiersprachen stimmten mich beinahe wieder milde; in ihrer zuweilen einfältigen Vielfalt und mit all den religiös anmutenden Streitereien dahinter, wenn nicht die Programmierer-Gilde sich ausdauernd als menschenfern beweisen würde. Vielleicht sollte Informatik als wesentliches Element ein Grundstudium der Linguistik enthalten?

23. März 2013, 20:49

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