Leonardos Fahrrad? jörns notizen

Nicht ganz dicht; immer versucht, Verse zu suchen. Nie ganz dicht, was dabei entsteht… »

22.
April
2009

Schattenspiele

Und dann begegnet er ganz unvermittelt einem Schatten der Vergangenheit. Seiner Vergangenheit? Verwundert hält er inne: Schon lang nicht mehr verwundet, und doch den Schatten noch als Schatten wahrgenommen. Obgleich der Schatten wahrlich Schatten seiner selbst geworden, zumal im Licht der Jahre ausgeblichen. In diesem Licht lösen sich Schatten aus dem echten Dunkel. Projektionen werden im Lauf der Sonne offenbar, falls nicht zuvor von selbst ein Licht ihm aufgeht. Da löst er sich von seinem Schattenspiel und findet eine neue Dimension.

22. April 2009, 22:59

25.
August
2008

Spätsommernächte

Das Rumoren da unten der Stadt glich dem fernen Stampfen eines Ozeanriesen, und der Wind spielte im dunklen Laub ein Lied vom Meer. Die satt und sonnenhart gewordnen Blätter in den Wipfeln aber befreite erst der Regen von des Tages Staub. Wie aus dem Nichts kamen die ersten Tropfen, und bald darauf verschlang des Wassers Prasseln jedes andere Geräusch. Spätsommernacht meiner Kindheit.

Spät wird es Nacht hier unten, inmitten der Stadt; durchbrochene Stille. Ein fernes Lachen. Ein Vogel, erschrocken vom Traum. Ein Auto, irgendwo kreischt eine Katze, und einer dieser furchtbaren Rolladen surrt in Schlafposition. Ein Schwung später Kneipengänger zieht disputierend vorbei, noch ein Auto, dann Ruhe. Schließlich schlurft wer nach Haus, mit Hund, der im beginnenden Regen sich das Nass aus den Haaren schüttelt, während der Schlurfende den Schlüssel sucht. Tausend Geräusche huschen durch die Nacht, die Stadt scheint im Schlaf zu ächzen und stöhnen, als träumte sie schlecht.

Und ich liege wach und suche nach Lethe, dem Strom des Vergessens, der mir im gleichförmigen Rauschen des Spätsommerregens der Kindheit erschien und das Flirren des Tages mir nahm wie dem Blattwerk den Staub.

25. August 2008, 08:33

01.
April
2008

wende blatt

ein blatt, das sich gewendet hat
wie mans auch dreht und wendet
bleibt einerseits das alte blatt
obschon es oben blendet

was andrerseits nicht gleichsam heißt
dass jedem weißen strahlen
nur falsches licht so helle gleißt
schwarz weiß zu übermalen

doch wenns von erster seite quillt
mit lettern, großen, fetten
zementgleich zwischenzeilen füllt
ists blatt nicht mehr zu retten

1. April 2008, 07:33

28.
März
2008

veilchen

ein rechteck veilchen

weißt gestern noch, als das geweb des himmels
dir voller sterne wie ein spinnennetz im tau
erinnerst dich, wie über nacht die wiese
von abertausend veilchen übergossen blau

ausgestanzt und in ein rechteck umverpflanzt

in welch beengt gefäß dein leben dich auch zwängt
ach, wachse in geduld nur noch ein weilchen
hast bald auch du das starre rechteck dir gesprengt
wie über nacht die wiese voller veilchen

28. März 2008, 09:39

06.
Dezember
2007

weihnacht

zwischen funkelnden sternen schimmert silbrig der mond
wo schon immer der mann mit dem mondgesicht wohnt
der versonnen besungen noch im traum uns geklungen
la-le-lu, nur der mann im mond schaut zu…

an der wahrheit zerreißt diese stille idylle
wächst erkenntnis des grauens in hülle und fülle

ach wie weihnachtlich glänzet die adventliche welt
und wie je wird vor weihnacht ein bäumchen gefällt
an den lichtern der kerzen wärmen sich unsre herzen
süßer die glocken nie klingen…

doch die wahrheit zerreißt diese warme idylle
denn da draußen die welt ist ein schrei in der stille

und vom sternengefunkel kriecht kälte herab
weht die weihrauchvernebelte weihnacht ins grab
so sind schmerzen und trost ineinander verwunden
seit geschundene seelen die weihnacht gefunden

6. Dezember 2007, 08:53

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